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Warum sind Spekulationen auf Agrar-Rohstoffe nicht immer unmoralisch?

Im heutigen Gastartikel von Lea-Maria Zimmermann geht es um Spekulationen auf Agrar-Rohstoffe und deren moralischen und wirtschaftlichen Bedeutung für die Gesellschaft. Du hast Interesse, einen Gastbeitrag auf youngbrokers.net zu veröffentlichen? Unter Gastautoren gesucht findest du Vorteile, Anforderungen sowie eine Kontaktmöglichkeit.

Rohstoff-Trading mit AgrarrohstoffenSeit Jahren beschäftigt das brisante Thema „Spekulation auf Agrar-Rohstoffe“ die Finanzwelt. Die Meinungen sind naturgemäß geteilt. Auf der einen Seite ist es für die Spekulanten eine ganz legale Chance, am Rohstoffmarkt teilzunehmen und daraus möglichst große Profite zu erzielen. Für viele ist diese Art der Spekulation wiederum ein Synonym für Armut, Mangelernährung und Hungertod, zumal sie die Spekulationsgeschäfte mit Agrar-Rohstoffen – wie Getreide und Reis, Speiseöl und Milch, Kaffee und Zucker – als Grund für extreme Preissteigerungen all dieser lebensnotwendigen Nahrungsmittel sehen.

An sich handeln die Spekulanten mit den Agrar-Rohstoffen wie die klassischen Großhändler und Handelsorganisationen auch. Das herkömmliche Handelsmuster sieht wie folgt aus: Käufe und Verkäufe werden als erprobte Mittel zur Regulierung der Marktpreise geplant. Genannt wird als gutes Beispiel die Strategie der staatlichen Organisation Thailands, die bei niedrigem Reispreis große Mengen Reis einkauft und dadurch für eine große Reis-Reserve sorgt. Bei hohem Reispreis verkauft sie wiederum ebenfalls große Mengen, erzielt Gewinne und sorgt zugleich für erschwinglichen Reispreis für die Bevölkerung.

Nach demselben Muster haben im vergangenen Jahr auch die Spekulanten an der Börse verfügbare Nahrungsmittel gehandelt und ebenfalls gute Renditen erzielt. Mit dem Unterschied, dass sie sich obendrein auch jede Menge böse Kritik eingehandelt haben. Denn auch hier waren die Folgen beträchtliche Preisanstiege der jeweils gehandelten Lebensmittel. Weil aber die Nahrung im Laufe von Jahrzehnten immer billiger geworden war, gab es einen Aufschrei. Der durch die UN jährlich ermittelte Preisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation erreichte im Jahr 2011 einen neuen Rekordwert, übertraf damit den Rekord von 2008 und die Preisexplosion führte zu leicht nachvollziehbaren Hungerrevolten in den ärmsten Ländern der Welt.

Da in den vergangenen Jahren darüber hinaus die Spekulationsgeschäfte mit Agrarrohstoffen auch bei Privatanlegern an Beliebtheit gewonnen hatten, entbrannte eine noch heftigere Debatte, ob die Spekulationen auf Agrar-Rohstoffen nicht höchst unmoralisch sind. Bekanntlich sind Großinvestoren und institutionelle Anleger – wie Hedgefonds und Investmentbanken – seit eh und je am Agrarstoffmarkt aktiv. Doch nun traten die Privatinvestoren an den Plan und wurden gleich angeklagt, als skrupellose Zocker für die Armut und die Hungersnot in der Welt verantwortlich zu sein.

Die strengsten Kritiker der Spekulation mit Agrar-Rohstoffen sind überzeugt, dass die gestiegenen Lebensmittelpreise für Agrargüter und Nahrungsmittel unbestritten auf diese zurückzuführen sind. Für die Befürworter dagegen ist dieser Zusammenhang keinesfalls so eindeutig. Tatsächlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Spekulationen mehr oder weniger eine Rolle für den Preisanstieg spielen, doch ohne die einzige Ursache zu sein. Es ist nicht zu übersehen, wie rasant das Interesse an den Spekulationsgeschäften mit Agrar-Rohstoffen gestiegen ist. Dennoch handeln die Spekulanten nicht mit realen Agrarrohstoffen an den Rohstoffmärkten, sondern spekulieren mit deren Marktpreisen an den Terminbörsen. Somit haben sie keinen direkten Einfluss auf die Preise.

Als Gegenargumente führen die angeprangerten „Spekulanten“ weitere absolut nachvollziehbare Gründe für den Anstieg der Agrarrohstoffe vor. Allen voran sind die Überschüsse der Landwirtschaft der Industrieländer der letzten Jahrzehnte zu nennen. Hinzu kommt die explodierte Bevölkerung der Erde, die immer mehr Lebensmittel braucht. Des Weiteren sind es die geringen Möglichkeiten, die Produktion von Nahrungsmitteln zu steigern, zumal die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen begrenzt sind. Nicht unbedeutend ist die gestiegene Nachfrage nach Nahrungsmitteln durch die aufsteigenden Schwellenländer, vor allem die gestiegene Nachfrage nach Fleisch, welche wiederum eine höhere Nachfrage nach Tierfutter (das ja Agrarstoffe wie Mais und Soja umfasst) bedeutet.

Um am Agrarstoffmarkt ohne schlechtes Gewissen zu profitieren, können Privatanleger zum Beispiel in Agrar-Aktien investieren.
 

Information zur Gastautorin

Gastautor: Lea-Maria Zimmermann – Die Autorin ist Geschäftsführerin und Mitgründerin des brandneuen CashBack-Anbieters CashBackBroker.de.

Bildquelle: © Kobes – Fotolia.com

 

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