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Zinsentscheid: Fed prüft verdächtige Kursbewegung im Millisekundenbereich

Börsenhändler an der Börse Chicago reagierten auf eine zinsrelevante Ankündigung der US-Notenbank Fed einige Millisekunden, bevor jene Information die Händler überhaupt offiziell hätte erreichen dürfen. Im Verdacht stehen Insider-Informationen und deren Missbrauch.

Federal Reserve (FED) USA

Die Fed ermittelt.
 

Washington – In der vergangenen Woche verkündete die US-Notenbank Fed entgegen allgemeiner Erwartungen an, das 85 Milliarden US-Dollar schwere Anleihekaufprogramm (QE3) nicht zu reduzieren sowie den Leitzins beizubehalten. Massive Kursanstiege waren die Folge. Spekulationen auf den Zinsentscheid stehen nun im Verdacht.

Die Fed geht demnach dem Verdacht von Insiderhandel nach, wobei bereits vor Bekanntgabe des Zinsbeschlusses in Washington Informationen zu Händlern in Chicago gelangten. Ungewöhnliche Bewegungen bei Terminkontrakten im Goldhandel sollen darauf hindeuten. Es kann verallgemeinert werden, dass unerwartet niedrig bleibende Zinsen den Goldpreis kurzfristig unterstützen. Insiderinformationen, die vor der offiziellen Meldung verfügbar wären, würden es ermöglichen, frühzeitig entsprechende Gold-Positionen einzugehen.

Den Hinweis auf die verdächtigen Geschäfte bekam der Fernsehsender CNBC von einem New Yorker Unternehmen namens Nanex. Laut Nanex-Chef Hunsader wurden in Chicago bereits in den nächsten sechs Millisekunden nach Bekanntgabe des Zinsentscheids Geschäfte im Wert von rund 800 Millionen US-Dollar vorgenommen. Das ist auffällig: Denn die Übertragungszeit für Daten zwischen Washington (Fed-Standort) und Chicago (Börse) beträgt circa sieben Millisekunden. „Das bedeutet, dass die Nachricht in Chicago bereits vorgelegen haben muss“, so Hunsader.

Nachrichtenagenturen wie Bloomberg, Dow Jones oder Reuters werden laut Fed vorab über die Entscheidungen informiert, diese müssen jedoch schriftlich die Einhaltung einer Sperrfrist zusagen. Ob dieses Verfahren wasserdicht ist, sollen Ermittlungen ergeben. Die Fed spreche derzeit mit den entsprechenden Agenturen.

Die Reuters-Nachrichtenagentur: „Wir sind überzeugt davon, dass wir uns an die Sperrfrist-Auflagen gehalten haben“, so Kommunikationschefin Barb Burg. Die Frage, ob Daten aus dem unter Verschluss gehaltenen Lockup-Room der Fed vorab nach draußen gegeben wurden, wurde derzeit nicht beantwortet.
 

Wie die Fed ihre Entscheidungen publiziert

Im Lockup-Room sind Journalisten wie üblicherweise ab 13:45 Uhr eingeschlossen. Um 13:50 erhalten diese die Stellungnahme der Fed, wobei der Entscheid dann erst um 14 Uhr verkündet werden darf. Eine offizielle Atomuhr sorgt für den notwendigen Maßstab.

Wenn es einer Agentur möglich ist, die Informationen vorher auf einen Server in der Nähe vom Standort Chicago zu laden, so könne eine schnellere Übermittlung resultieren. Die Fed überprüft dieses Szenario derzeit.


 

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