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Interview mit Trader, Student und AKB-Referent Julian Storz

Ich freue mich, heute ein Interview mit einem guten Kollegen, Student und AKB-Referent an der Universität Mannheim – Julian Storz – veröffentlichen zu dürfen.

In unserem ausführlichen Gespräch stand er auf ehrliche Weise Rede und Antwort zu den Themen Börse, Trading und darüber hinaus. Dabei geht er auf seinen Weg zur Börse, die studentische Problematik eines tendenziell unterkapitalisierten Tradingkontos sowie auf seine konkrete Tradingstrategie ein. Julian wird in Zukunft interessante Inhalte beisteuern – wer also Feedback oder Fragen hat, darf gerne am Ende des Artikel seinen Kommentar hinterlassen!

Trader Julian Storz

Von links nach rechts: Julian Storz,
daneben ein aggressiver Bulle
 

Hallo Julian, vielen Dank erst mal, dass du dir Zeit genommen hast. Stell dich doch einfach kurz den Lesern vor.

Julian: Hallo Philipp und einen schönen guten Tag an alle die sich die Zeit nehmen! Ich bin Julian Storz, geboren am. 31.03.94 südlich von Stuttgart in einer kleinen Stadt namens Kirchheim unter Teck und bin derzeit Student. Ich trade seit nunmehr fast 3 Jahren aktiv die Märkte und fokussiere mich hierbei vor allem auf Währungen, seit neuerem auch wieder vermehrt auf Equities und Optionen.

Wie und wann wurdest du überhaupt auf die Börse aufmerksam, was fasziniert dich daran?

Ich habe mit ca. 15 Jahren (wobei ich mich damals noch sehr für Politik Interessierte, also im Sinne vom Berufsweg) ein Praktikum im Landtag BW gemacht. Dabei wurde mir schnell klar, dass die Politik nicht der richtige Ort ist um etwas zu bewegen, da der Zeithorizont viel zu kurz gefasst ist (nur 4 Jahre Legislaturperiode). Ich schaute mich im System um wo ich mich und mein Ziel, die Welt ein Stück besser machen zu können, am besten verwirklichen konnte. Auf den ersten Blick wirkt hier die Börse vielleicht etwas ironisch, aber genau genommen werden hier alle großen Unternehmen finanziert.

Auf kurz oder lang kam ich durch dieses Interesse dann zum Trading und parallel zu meinem persönlichen Traum, einen Fonds aufzulegen, welcher sich mit einem Teil der erwirtschafteten Gewinne erneut investiert. Der Fokus soll hierbei auf Startups gelegt wird, welche im Bereich erneuerbare Energien und anderen grünen Zukunftstechnologien aktiv sind. Die Idee hängt einfach mit dem Umfeld zusammen, in dem ich aufgewachsen bin und mit dem Bild einer besseren Gesellschaft. Also einer Gesellschaft, die nachhaltiger und umweltfreundlicher ist. Daher die Idee eines “mild grünen Kapitalismus”.

Gibt es jemanden der dich inspiriert hat, zum Trading zu kommen?

So ungern sie es gegebenenfalls auch hören mag, irgendwie wohl auch meine Mutter, denn sie hat mir zu den Zeiten meines Gesinnungswandels weg von der Politik von einem ihrer Kommilitonen erzählt, der damals noch auf Millimeter-Papier seine Charts zeichnete und danach tradete. Ich war zutiefst fasziniert von der Disziplin und der Leichtigkeit, nach der es sich angehört hat. Wahrscheinlich hat das meine Orientierung doch auch etwas beeinflusst.

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Trade?

Ehrlich gesagt ist es schwierig für mich, zu beurteilen, welches mein erster Trade war. Mein erster Trade war mehr eine Investition in eine Anleihe von Eno.Energy, welche ich für mehrere Jahre gehalten und dann aufgrund von erhöhter Volatilität und Unsicherheiten auf politischer Ebene kurz vor einem Crash abgestoßen habe.

Meine ersten, kürzer orientierten Trades waren dann in Daimler und Metro, und schlussendlich dann Währungen. Wobei mein erster Währungstrade gleich einen riesigen Gewinn gemacht hat – was mir später zum Verhängnis wurde. Aber ich glaube das sprengt den Rahmen dieses Interviews und gehört in die Rubrik Trading-Psychologie.

Soweit ich mich erinnern kann, studierst du derzeit in Mannheim Volkswirtschaftslehre. Wann kam bei dir der Gedanke auf, dich parallel zum Studium dem Trading zu widmen? Gab es einen “Knackpunkt”?

Ja, den gibt es tatsächlich. Ich habe nun über zwei Jahre auf H4- Basis [Besondere Form eines Candlestick-Charts – Eine Candle sind hier 4 Stunden] getradet, aber ich habe mich im Laufe der letzten Wochen zunehmend dabei erwischt, wie ich mit Tablet oder Laptop durch die Uni gerannt bin und Orders aufgegeben habe . Das dabei Fehler passieren, ist absehbar.

Ich habe das länger durchgezogen als das vielleicht gut wäre, weil es einfach auch an die Energie geht. Aber es ist nun mal schwer mit etwas zu brechen, was man gerne macht.

Unter anderem durch Themen, die auch in meinen Vorträgen für den Akb-Mannheim [Arbeitskreis Börse Mannheim] erneut recherchiert habe und auch aus eigenen Erfahrungen weiß, habe ich dann aber einen Schlussstrich gezogen. Nun trade ich auf Tagesbasis und es geht mir viel besser damit.

Ich würde auch anderen raten, immer entsprechend ihrer Lebensumstände zu traden – ich selbst habe das wie gesagt nicht immer getan. Aber es ist die bessere Art zu traden und die Folgen sind positiv. Zumal sie auch an der persönlichen Stimmung und dem Stresslevel spürbar sind.

Wie sieht denn dein typischer Tradingalltag dann heute aus?

Im Prinzip jetzt sehr viel entspannter. Ich trade nur zu zwei Zeiten am Tag. Das ist um 17.00 Uhr eine halbe Stunde vor Schließung der Terminmärkte in Deutschland (Optionen) und dann gegen 22.00 vorgezogener GMT zum Close der Forex-Märkte auf Tagesbasis.

Ansonsten beschäftige ich mich auch darüber hinaus mit Märkten, mache Analysen und überlege mir, wie man Unternehmen besser und effizienter analysieren kann, um Trends in Aktien besser folgen und so auch bessere Renditen erzielen zu können. Zudem natürlich die Nacharbeit meiner Handelsaktivitäten im Forex-Markt – d.h. Dokumentation der Trades und natürlich Spreadsheet -noch ein wenig Zeit benötigt.

Gib uns doch mal eine Übersicht über deinen Tradingstil: Wie sieht dieser aus? Auf welchen Zeitebenen tummelst du dich herum? Hast du gewisse Lieblingssetups? Welche Märkte handelst du dabei heute vorzugsweise und warum genau diese?

Mein Tradingstil ist ein Mix aus Markttechnik und Momentumtrading. Ich warte einfach darauf, dass der Markt sich ein wenig in die Karten schauen lässt und seinen aktuellen Trend bestätigt – und dann steige ich ein. Ich will einfach einen Impuls, dieser kann sich auf vielerlei Art äußern, muss aber den Trend bestätigen! Im Prinzip jedoch auch hier gefilterte Candlestick-Formationen. Meine primäre Zeiteinheit ist der Tageschart.

Beispiel-Trade Julian Storz

Einige beispielhafte Setups des Tradingsystems von Julian Storz
Hier im Währungspaar EUR/TRY auf dem H4-Chart (Euro gg. Türkische Lira)
Die gelben Boxen markieren Einstiegssignale. Ein Haken gibt an, dass das Profit-Target (CRV: 1:2)
erreicht wurde. Ein Kreuz markiert das Erreichen des Stop-Loss.
 

Dabei habe ich bisweilen 15 Märkte auf H4 beobachtet, darunter EUR/USD und AUD/USD aber auch EUR/MXN und Gold sowie den DAX. Mit dem bereits erwähnten Wechsel auf große Zeiteinheiten habe ich diese Auswahl “etwas” vergrößert und beobachte aktuell mehr als 120 Forex-Paare sowie die großen Indizes und Gold. Die Wahl der Paare im Forexmarkt ist natürlich nicht willkürlich. Wobei trotzdem nahezu alle Währungspaare handelbar sind. Darunter verstehe ich ausreichende Liquidität und einen akzeptablen Spread.

Wie sieht es mit dem eingangs erwähnten neueren Fokus auf Aktien aus? Was ist hier dein Filter?

Die Arbeit an potentiellen Setups auf den Equity Märkten nimmt natürlich auch Zeit in Anspruch, wobei hier zu meinem täglichen Screening die DAX sowie CAC40 Werte gehören und bald auch eine Selektion aus fundamental gefilterten Titeln. Im Aktienbereich ist das hierbei ähnlich, ich hatte bereits schlechte Erfahrungen mit dünnem Volumen und daher bin ich eher in liquiden Werten zuhause, wobei unter den fundamental ausgesuchten werten teils auch kleinere Unternehmen auftauchen.

Da du selbst Student bist, kennst du das Dilemma „Kontogröße“ sicherlich ganz gut – Also die Frage der erforderlichen Kontogröße, ab der es wirklich sinnvoll ist, mit dem Trading anzufangen. Angenommen, ein Kommilitone könnte beispielsweise nur ein kleineres vierstelliges Konto bereitstellen – was würdest du ihm raten?

Ich denke, kein Tradinganfänger hat von vornherein das Kapital, um davon leben zu können. Es geht vielmehr darum, das zu erfahren, was Demokonto-Trading eben nicht kann: Nämlich sein eigenes Geld auf dem Spiel stehen zu sehen.

Dabei geht es nicht direkt um die absolute Summe, sondern darum, dass man etwas verliert, was einem selbst gehört und selbst erarbeitet wurde. Man kann nicht auf „Reset“ drücken – und man “verliert sein Gesicht”, wenn etwas nicht klappt. Dabei liegt genau hier meiner Meinung nach die Kunst des Tradings: Zu akzeptieren, das verlieren zum Business dazu gehört und das man den Markt nicht bekämpfen sollte, sondern mit ihm gehen sollte.

Daher würde ich sagen, dass der Weg das Ziel sein sollte. Denn wenn man diesen Weg lange genug beschreitet, sollte das Kapitalproblem langsam verschwinden. Sei es durch ein wachsendes Konto, mehr Selbstvertrauen und mehr bereitgestelltes Eigenkapital – oder aber durch zur Verfügung gestelltes Fremdkapital.

Welchen Weg würdest du einem Anfänger unabhängig von der Kapitalfrage grundsätzlich empfehlen?

Alles zu lesen, was es über die Märkte zu wissen gibt und das beizubehalten und zu reflektieren. Man lernt niemals aus. Dann eine gewisse Zeit auf einem Demokonto zu traden, die Abläufe zu automatisieren und zu lernen, das Risiko zu managen.

Und dann auf einem ausreichend kapitalisierten Konto live zu traden. Dabei aber im Falle eines kleinen Kontos nicht mit Ziel, davon leben zu wollen. So schnell und einfach geht das meiner Meinung nach leider nicht.

Julian Storz auf Rollen

Julian shortet ein seit Tagen
schwächelndes Geländer auf Inlineskates.
 

Genug Börsenkram. Was macht Julian so, wenn er sich gerade nicht mit dem Trading beschäftigt?

Ich war lange Jahre aktiv im Skatesport, schaffe das aber leider zeitlich nicht mehr regelmäßig. Daher bin ich gerade dabei mich mehr mit Kraftsport zu beschäftigen. Ich habe immer schon während des Skatens viel trainiert um Verletzungen vorzubeugen, damals noch mit Gewicht und im Studio, heute habe ich meinen Schwerpunkt auf extreme Calesthenics verlagert, wobei ich hier noch am Anfang stehe aber bereits gute Fortschritte erzielen konnte. Das nimmt in der Woche gut 7 Stunden in Anspruch und deckt meine sportliche Seite ab.

Ich spiele auch Bass, aber auch hier macht mir die zeitliche Begrenzung auf 24 Stunden am Tag Probleme. Schließlich ist da auch noch ein Studium das seine Zeit einfordert.

Vielen Dank für das Interview, Julian.

Wer sich für Julians Tradingstil interessiert, der wird in Zukunft hier weitere Artikel finden. Seien es konkrete Trades oder Hintergründe zur Entwicklung eines Handelssystems. Einfach regelmäßig vorbeischauen!


 

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