0

Interview mit Hedgefondstrader und Unternehmer Ali Taghikhan

Im heutigen Interview haben wir die angenehme Gelegenheit, mit Ali Taghikhan sprechen zu können. Ali ist Cheftrader bei einem internationalen Hedgefonds und Gründer der ATT Trading GmbH – einem jungen Unternehmen, dass sich insbesondere auf Tradingausbildungen spezialisiert hat und ein umfangreiches Ausbildungspaket für Anfänger und fortgeschrittene Trader anbietet.

In unserem Gespräch ging er allerdings nicht nur auf das Trading ein, sondern weit darüber hinaus. Welche Motivationen trieben ihn zum Trading und welche Ratschläge würde er persönlich Tradinganfängern geben? Wie verlief der Wechsel zwischen altem Beruf und dem Trading? Vorab schon einmal vielen Dank für das umfangreiche Interview!
 

Ali Taghikhan - ATT Trading GmbH

Ali Taghikhan
Hedgefondstrader und Gründer
der ATT Trading GmbH
 

Philipp Berger: Hallo Ali, vielen Dank erst mal, dass du dir Zeit genommen hast. Stell dich doch einfach kurz vor. Wo kommst du her und was machst du?

Ich wurde im Iran geboren, bin jedoch in Österreich aufgewachsen und habe hier BWL und Rechtswissenschaften studiert, parallel war ich Leistungssportler im Kampfsportbereich. Was Geschäftsleben anbelangt, war ich zuletzt in einem internationalen Unternehmen Geschäftsführer und war dort zuständig vor allem für größere Investitionen in diversen Gebieten außerhalb der EU.

Für eben dieses Unternehmen habe ich auf fremde Rechnung auch in diversen Unternehmen durch den Kauf von Aktien langfristige Investitionen platziert. Die Investments wurden hier jedoch auf Basis der Fundamentalanalyse getätigt , also nicht etwa durch technische Analyse, sondern eben durch die Analyse der betriebswirtschaftlichen und ökonomischen Daten sowie des Umfelds des Unternehmens. Mein Spezialgebiet war der Bankensektor.

Inzwischen investierst du jedoch zumindest nicht mehr ausschließlich im Rahmen von langfristigen Fundamentalanalysen, sondern bist auch Daytrader, richtig? Wie wurdest du überhaupt auf die Börse aufmerksam?

Die Frage ist überhaupt: was heißt Daytrader? Ich weiß, es ist derzeit in der Szene das Modewort Nummer 1 und jeder will sagen können, er sei Daytrader. Das kann taktisch aber irreführend sein. Ich möchte es einmal so formulieren:

Als ich zur Börse kam, das war vor mehr als 8 Jahren, folgte ich keiner Definition à la „Ich bin Daytrader“, sondern ich wollte eigentlich nur Geld verdienen und mir war es egal ob mein Trade dafür innerhalb eines Tages geschlossen werden muss oder nicht. Und so ist es auch heute noch.

Zur Börse selbst kam ich wohl durch mein BWL-Studium und einem Kollegen aus der Bank. Dadurch hatte ich zwangsweise den ersten Kontakt zur Börse. Das fing dann ganz klein an mit Optionsscheinen. Aber wie oben bereits erwähnt: Damals habe ich meine Investitionen auf Basis der Fundamentalanalyse getätigt, ohne je einen Chart des Basiswertes gesehen zu haben.

Erinnerst du dich hier noch an deinen ersten Trade bzw. deine erste Investition?

Meine alle erste Investition war damals Archer Daniels, das habe ich als privates Investment gemacht. Und lief auch gut. Meine zweite Investition war Apple – direkt vor der damaligen Einführung des Ipod Nanos. Das war letztlich bis heute eines meiner besten Investments.

Thema Beruf versus Trading: Soweit ich mich erinnern kann, hat deine Karriere zunächst mal mit einem Studium der Rechtswissenschaften und Betriebswissenschaften begonnen. Was hast du vor dem Trading gemacht bzw. wann kam der Gedanke auf, ernsthaft mit dem Trading zu beginnen? Gab es hier ein Schlüsselerlebnis?

Wie ich ja bereits vorhin erzählt habe, habe ich mit Fundamentalanalysen begonnen, und im Laufe der Zeit habe ich angefangen mich immer mehr mit Charts zu beschäftigen.

Irgendwann fing es an Spaß zu machen, es waren auch die Goldenen Zeiten vor der Wirtschaftskrise und es war echt einfach, Geld zu verdienen. Durch die Krise hat sich alles verändert. Die Langzeit-Investments waren nicht mehr einfach durch die alten Regeln einzuhalten weil eben die Bücher der Unternehmen anders aussahen, das Umfeld sich verändert hatte, etc. So musste ich einen anderen Weg eingehen und habe mich eben allmählich auf die Charts konzentriert. Dafür musste ich einige Büchern lesen und ein paar Kurse besuchen.

Zitat Ali

Mein Schlüsselerlebnis war wohl während eines meiner üblichen Business-Trips, als mir auffiel, dass ich bereits seit drei Wochen im Ausland bin, kaum mehr Zeit für meine Familie und Freunde habe und letztlich keinen Sport mehr treiben konnte. Das war mir alles immer sehr wichtig. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber schon gutes Geld verdient an der Börse – nicht so viel wie in meinem Job – aber was den Zeitaufwand betraf und den Stress, der für die Gewinne nötig war, schon ein gewaltiger Unterschied. Oft war bei Projekten alles von vielen Sachen abhängig, die man selbst nicht kontrollieren konnte. Und wenn ich meine Arbeit getan habe, jemand anderes jedoch nicht, dann war alles es umsonst. Und das wirkte sich dann ja wieder auch auf mich aus, finanziell wie emotional.

An der Börse bin ich jedoch im Grunde nur von mir selbst abhängig und kann entscheiden, ob ich handle oder nicht. Und ich bin selber schuld, wenn etwas schief geht. Diese Erkenntnis war wohl der entscheidende Moment. Ich wollte weniger arbeiten, aber gut verdienen und unabhängig sein. Und ich muss sagen, es gibt keinen anderen Job, in dem ich Geld verdienen kann, egal wo ich gerade auf der Welt bin. Dafür brauche ich in meinem Alltag nur meinen Laptop und eine Internetverbindung.

Wenn du es gerade schon anschneidest: Wie sieht denn dein typischer Trading-Alltag heute eigentlich aus?

Für gewöhnlich setze ich mich gegen 8:45 Uhr an den PC, checke die Nachrichten, was so alles passiert ist und was auf mich im Laufe des Tages so zukommt.

Danach betreue ich meine Trades, die noch aktiv sind. Ich ziehe Stopps nach und suche in den Märkten nach neuen Setups. Im Durchschnitt mache ich das maximal 2 Stunden am Vormittag und dann ab 15:15 Uhr bis ca. 17:45 Uhr während der US-Session wieder.

Je nach Marktsituation setze ich manchmal auch kurze Trades in verschiedenen Futures ab. Man merkt dann schnell, ob es überhaupt interessant ist, auf kleineren Zeiteinheiten zu handeln, oder eben nicht. Dementsprechend verkürzt sich meine Zeit am Rechner.

Gib uns doch mal eine Übersicht über deinen Tradingstil. Auf welchen Zeitebenen tummelst du dich herum? Wie sehen deine Lieblingssetups aus?

Es ist natürlich schwer, das in ein paar wenigen Worten zu erklären, aber die meisten meiner Trades laufen auf großen Zeiteinheiten wie Tag und Stunde, dies aber in richtiger Kombination. Ich versuche eben, so wenig wie möglich vor dem Rechner zu sitzen und die Screentime niedrig zu halten. Maximal 4-5 Stunden am Tag, wenn der Markt eben Bewegung hat. An manchen Tagen reichen auch 30 Minuten, um meine Trades zu betreuen und auch da verdiene ich Geld und muss nicht ewig am PC sitzen. Darum ging es mir ja, weniger zu arbeiten und trotzdem gut zu verdienen.

Zu den Lieblingssetups: Ein paar Trades sind hier im Interview ja beigefügt, dort kann man sich ein Bild machen. Ich suche mir zuerst mal einen übergeordneten, großen Trend. Lieblingssetups sind meistens diejenigen, die innerhalb des Trends tief in der Korrektur und schließlich kurz davor sind, den Trend wieder aufzunehmen.

Das heißt, ich möchte immer die Bewegung handeln. Bewegungen sind immer schneller als die dazugehörigen Korrekturen. Deswegen möchte ich Korrektur vermeiden. Erstens dauern Korrekturen in der Regel länger, zweitens verlaufen Korrekturen oft sehr unsauber.

Konkret suche ich mir dann untergeordnet einen Einstieg in Trendrichtung, der einen sehr kleinen Stop-Loss hat, um so schnell wie möglich – dadurch das viele Marktteilnehmer in Richtung der Korrektur gehandelt haben – deren eigenen Stops abfische und dadurch schnell in den Gewinn komme, da der Trend sich dann in der Regel wieder fortsetzt. Mein Risiko bleibt sehr gering ist, falls ich im Verlust ausgestoppt werde sollte.

Wenn ich jedoch sehe, es kommt Volumen auf, dann gehe ich auch kurzfristig eng am Markt hinein und handle teilweise Futures auf Indizes bzw. häufig den Bund. So gibt es einige Werte, die ich gerne immer wieder handle, weil diese sehr liquide sind und viel Bewegung haben. Aber hier geht es darum, immer das Beste rauszusuchen und sich nicht auf einen Markt zu konzentrieren.

Tradingbeispiel E-Mini Short

Tradingbeispiel E-Mini (short)
Dieser Short-Trade im E-Mini Nasdaq Future verdeutlicht die Tradingstrategie.
Aus der Korrektur wurde in den übergeordneten Trend (short) gehandelt. Zunächst missglückte
der Short-Trade durch Erreichung des Stop-Loss. Der zweite Trade ging auf: ca. 30 Punkte Gewinn.
 

Enge Stops wünschen sich natürlich alle Trader. Welche Methode nutzt du hier, um das auch in der Praxis umzusetzen?

Das erkenne ich anhand des Orderbuches und der Times und Sales List, kombiniert mit dem Volumen – wenn letzteres wieder spürbar ansteigt. Dies gilt aber nur für den kurzfristigen Handel bei mir, wenn ich als „klein und eng“ am Markt bin. Damit meine ich aber nicht das sehr kurzfristige „Scalpen“. Ich scalpe nicht, da geht es meist nur um ein paar Punkte. Ich will also auch hier eine erste, große und schnelle Bewegung mitnehmen.

Welche Märkte handelst du dabei vorzugsweise und warum?

Ich handle grundsätzlich sehr selten Indizes und bevorzuge Aktien. Im Bereich von Aktien gibt es eine sehr viel größeren Auswahl an Einzelwerten und vor allem: Aktien haben meist einen sehr viel längeren, saubereren und schön erkennbaren Trend. Ansonsten handle ich den Bund auch sehr oft.

Tradingbeispiel Aktien Long

Tradingbeispiel einer Aktie (long)
Im Bereich von 39,40 Euro wurde der Long-Trade eröffnet (grüner Pfeil). Erste Gewinnmitnahmen
erfolgten bei 39,60 Euro (roter Pfeil). Die weiteren Teilverkäufe wurden jedoch bei ca. 40,10 Euro
und 40,45 Euro vorgenommen. So konnte an einer sehr langen Bewegung partizipiert werden.
 

tradingbeispiel-bund-future-long

Ein weiterer Trade von Ali: Long im Bund Future
Ein weiteres Tradingbeispiel, in diesem Fall ein sehr schneller Trade im Bund Future.
Über dem Punkt 2 und bei sehr hohen Volumen wird ein Long-Trade eröffnet. Der Trade lief
nur ca. 35 Minuten, bis das Ziel erreicht wurde.
 

Die erforderliche Kontogröße, ab der es sinnvoll ist, mit dem Trading anzufangen, führt immer wieder zu Diskussionen. Angenommen, ein Tradinganfänger kann beispielsweise nur ein vierstelliges Konto bereitstellen – würdest du ihm abraten, mit dem Trading anzufangen? Oder ist der Weg das Ziel?

Es kommt immer darauf an: Was will ich denn verdienen bzw. will oder muss ich davon leben können. Ein vierstelliges Konto für einen Anfänger ist ausreichend, weil es nur darum geht, die Technik zu trainieren. Es ist egal, wie groß am Ende das Konto ist. Wenn die Person es nicht kann, wird er das Konto verbrennen. Deshalb lieber mit einem kleinen Konto üben bzw. für den Anfang nur für sehr kurze Zeit ein Demokonto. Letzteres nur für eine kurze Übungsphase, weil der wichtige mentale Faktor dann fehlt.

Somit ist eben der Weg das Ziel. Anders kann man es meiner Meinung nach nicht lernen. Ich habe immer wieder meinen Schülern gezeigt, wie sie auch mit einem sehr kleinen Konto im vierstelligen Bereich Geld verdienen können. Aber dazu bedarf es Geduld, Übung und Erfahrung.

Wenn der Weg, das Ziel ist. Welchen Weg würdest du dann einem Anfänger grundsätzlich empfehlen?

Ich würde jedem Anfänger empfehlen, bevor er mit seinem Geld an die Märkte geht, vorher Literatur zu lesen und am besten eine Ausbildung zu machen – eben wie in jedem klassischen Beruf auch. Aber nicht einfach ein Seminar für ein paar Tage oder eine Woche besuchen. Dann geht einfach zu viel Erkenntnis wieder verloren und am Ende fehlt die Übung, das Erlernte auch in der Praxis anzuwenden.

Die Börse verzeiht einem keine Fehler. Jeder Fehler kostet Geld. Und ohne das richtige Wissen wird jeder Trader nur Geld einzahlen. Man tritt jeden Tag gegen die Besten an, die nur darauf warten, einem das Geld wegzunehmen. Deswegen braucht es eine fundierte Ausbildung und einfach viel, viel Übung.

Stichwort Übung: Du vertrittst den Standpunkt, dass es so etwas wie einen Drawdown [also eine vorübergehende Häufung von Verlusttrades] im professionellen Handel nicht gibt.

Exakt. Es wird immer an vielen Stellen behauptet, jeder könne eine Drawdownphase haben von vier, fünf, sechs oder noch mehr Wochen. Ich behaupte nein, im professionellen Handel gibt’s das nicht. Wenn wir uns Institutionen zum Vorbild nehmen wie etwa J.P. Morgan, die ja das Vorzeige-Tradinghaus schlechthin sind (und wir reden noch nicht mal von den Hedgefonds): Die haben im Schnitt innerhalb eines Quartals nur zwei „Minustage“! Aber: Die Trader dort „müssen“ oft sogar Trades machen, weil sie den Investoren ja zeigen müssen, welche Arbeit sie geleistet haben. Zudem bewegen die Händler dort ganz andere Summen, was alles nochmal schwieriger gestaltet.

Ich behaupte nein, im professionellen Handel gibt es keine Drawdowns. Es kann nicht sein, dass ich jeden Tag Verlusttrades mache – dann mache ich etwas falsch bzw. sehe etwas falsch.

Wir als private Trader jedoch handeln viel kleinere Positionen und können entscheiden, an einem bestimmten Tag eben nicht zu traden. Es kann also nicht sein, dass ich jeden Tag bzw. regelmäßig Verlusttrades mache – dann mache ich was falsch bzw. sehe etwas falsch. Es kann durchaus sein, dass man innerhalb einer Session oder in sehr seltenen Fällen darüber hinaus einen Verlust generiert, etwa wenn man gerade in eine Seitwärtsphase hineinläuft. Dann kann ich jedoch danach einen Schritt zurücktreten und mich raushalten und beobachten.

Also: Minustrades gehören definitiv dazu. Aber durch den Wiedereinstieg – und das Unterscheidet den Anfänger vom Profi – gleiche ich meine Verluste aus und bin wieder dabei. Im professionellen Handel geht das nicht anders. Wenn ich meinem Kunden sage, ich mach seit zwei, drei Wochen Verluste, dann werde ich keinen Kunden mehr haben. Oder es bekommt eben sofort jemand anderes die Chance zu traden und ich bin meinen Job los.

Zum Abschluss mal weg vom Trading: Was machst du denn so, wenn du dich gerade nicht mit den Märkten beschäftigst? Siehst du bei deinen Hobbies parallelen zum Trading?

Außer mit der Familie und Freunden etwas zu unternehmen, betreibe ich gerne viel Sport, Krafttraining und Basketball und fliege sehr gerne weg und Tauche dann. Das ist extrem beruhigend und eine neue Leidenschaft von mir geworden. Kann ich jedem empfehlen. Beim Sport geht es genauso wie beim Trading darum, diszipliniert zu arbeiten und zu trainieren, zu wissen wann Schluss ist und wann noch mehr zu leisten ist.

Vielen Dank für das Interview


 

Was das interessant? Weitersagen!

Recent Posts


 

     

    Hinterlasse deinen Kommentar!

    Submit Comment
    © 2016 Youngbrokers.net.
    Alle Rechte Vorbehalten. Angaben ohne Gewähr. Beachten Sie den Disclaimer · Impressum.