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Zeiteffiziente Tradingstrategie mit multiplen Zeitfenstern

Ein zugegebenermaßen etwas komplizierter Titel – jedoch soll es heute in diesem Artikel um eine einfache, schlanke, effiziente, zeitsparende aber profitable Tradingstrategie gehen. Wenn diese Attribute fallen, dann ist Michael Hinterleitner nicht weit.

Michael setzt vor allem auf zeiteffiziente Strategien, die sich nebenberuflich stressfrei umsetzen lassen. Er selbst ist hauptberuflich Unternehmer und betreut das Projekt brokerdeal.de, einem Brokervergleichstool, dass dem Trader günstigere Konditionen als bei einer regulären Kontoeröffnung ermöglicht.

Vorzeitiges Fazit: Michael weiß, was es heißt, nebenberuflich zu traden und fährt mit seiner Strategie bereits seit langer Zeit sehr gut. Heute erläutert er uns eine weitere Tradingstrategie.

1 Zielsetzung und Intension

Mein Tradingstil sollte einfach und zügig umsetzbar sein – dennoch aber einen gewissen Wahrscheinlichkeitsvorteil beinhalten. Ich möchte nicht ständig vor dem Monitor sitzen müssen. Mein maximaler Kompromiss bestand bei der Entwicklung dieser Strategie deshalb aus dem Stundenchart als kleinstes Zeitfenster. Geringere Zeiteinheiten möchte ich nicht akzeptieren, wenn die Strategie einfach und zeitsparend sein soll. Auf dem Stundenchart werde ich deshalb über den Einstieg und Ausstieg entscheiden – jedoch ausschließlich auf Schlusskursbasis. Der Vorteil hierbei: Man muss nur jede volle Stunde die Charts checken.

Meine damalige Idee war es, von diversen Indikatoren wegzukommen und ausschließlich auf die Priceaction zu achten. Und da in diesem Rahmen klare Trendfortsetzungssignale immer am einfachsten zu erkennen waren, sollten diese als Einstiegssignal herhalten. Damit sollte die Strategie gleich von Anfang an einfach gehalten werden. Enge Stops sollten ein weiterer wesentlicher Faktor der Strategie sein. Denn erfahrungsgemäß gilt: Wenn sich ein Trade nicht von Anfang an in die gewünschte Richtung entwickelt, dann tut er das in der Regel überhaupt nicht mehr.

Gewinne sollen an vorigen Hochs bzw. Tiefs realisiert werden. Oder an anderen markanten Punkten auf dem Chart.

Strategie Factsheet
Tradingstrategie Swingtrading mit Zeitfenstern
Typ Swingtrading
Zeithorizont Wenige Tage
Setup Grundsätzlicher Handel aus der Korrektur in den übergeordneten Trend. Die Signalgenerierung erfolgt auf dem Wochen- und Tageschart. Der Einstieg erfolgt auf dem Stundenchart per Stop-Buy oder Stop-Sell-Order
Einstieg Long: Über einer vergangenen bullischen Kerze per Stop-Buy-Order. Short: Unter einer vergangenen bärischen Kerze per Stop-Sell-Order.
Stop-Loss Long: Unterhalb der vergangenen bullischen Kerze. Short: Oberhalb der vergangenen bärischen Kerze
Target Im Bereich von benachbarten markanten Hoch- und Tiefpunkten

2 Methodik & Prozess

Ausgehend von meiner Zielsetzung und der Handelsintension ist jetzt die Methodik besser verständlich. Ich trade also mit dem Stundenchart als Signalzeitfenster. Dort werden also meine Orders letztlich abgesetzt. Der Tages- und der Wochenchart dient nur als Trendzeitfenster. Die Prozesslogik gehen wir jetzt ausgehend vom Wochenchart bis zum Stundenchart Schritt für Schritt durch.

2.1 Screening auf dem Wochenchart
An jedem Wochenende wird zunächst der Wochenchart gecheckt. Hierbei werden sämtlche Aktien des persönlichen Anlageuniversums zügig durchgescreent. Das können bspw. die 30 DAX-Werte sein, oder aber man ergänzt diese Liste mit der MDAX-Liste oder einigen amerikanischen Aktien. Das entscheidet letztlich jeder Trader selbst, die Logik dieser Strategie bleibt in jedem Fall dieselbe.

Auf dem Wochenchart entscheidet sich, in welche Richtung ich einen bestimmten Tradingkandidaten überhaupt handeln möchte bzw. wird durch den Wochenchart die Frage beantwortet, ob überhaupt ein Trend vorliegt. Die Hinzunahme des Wochencharts in die Tradingstrategie hat eine große, bereinigende Wirkung. Ein schneller Blick auf den Wochenchart schließt sofort einen Großteil der in Frage kommenden Basiswerte aus. Denn wir wollen ausschließlich in klare Trends investieren. Und diese erkennt man auf dem Wochenchart schnell.

Ganz konkret suche ich nach solchen Werten, die innerhalb des vorherrschenden Trends eine Korrektur eingeleitet haben und nun tendenziell wieder in Richtung des Trends anlaufen. Habe ich auf diese Weise einen eindeutigen Trend im Wochenchart ausfindig machen können, erstelle ich eine Long- und Shortliste für die kommenden 5 Handelstage.

2.2 Tageschart
Ist die obige Wochenendarbeit erledigt und die Long- und Shortliste erstellt worden, muss der Tageschart ebenfalls einen Trend aufweisen. Hierbei bin ich nicht mehr ganz so streng wie im Wochenchart. Seitwärtsphasen oder gerade auftretende Trendwendemuster disqualifizieren einen Wert jedoch für die aktuelle Handelswoche, bis sich der ursprüngliche Trend wieder durchsetzt.

2.3 Stundenchart
Auf dem Signalzeitfenster, dem Stundenchart, halte ich schließlich Ausschau nach einwandfreien Fortsetzungsmustern. Hierbei wird also versucht, die sich im Wochen- und Tageschart ergebende Trendaufnahme (gleichzusetzen mit dem Ende der Korrektur) auf dem Stundenchart zu erwischen. Dabei gilt: Long gehandelt werden nur bullische („grüne bzw. hier blaue“) Kerzen, short gehandelt werden nur bärische („rote“) Kerzen. So steigt man nicht blind in den Markt ein, sondern wartet auf ein erstes konkretes Anzeichen der Trendaufnahme.

2.4 Ordermanagement auf dem Stundenchart
Auf dem Stundenchart werden dann Stop-Buy bzw. Stop-Sell-Orders aufgegeben. Das heißt, ich gehe in den seltensten Fällen direkt via Marketorder in den Trade. Das Hoch der Stundenkerze wird hierbei zum Stop-Buy-Trigger im Falle von Longsignalen. Umgekehrt wird das Tief der Stundenkerze zum Stop-Sell Trigger im Falle eines Shortsignales.

3 Beispieltrade – RWE Longsignal 18.08.2014

Ein Beispieltrade soll die Methodik nochmal besser und verständlicher darstellen. Hier geht es um ein Long-Trade in der RWE-Aktie, der am 18.08.2014 um 12 Uhr umgesetzt wurde. Dies ist also eine Nachbetrachtung eines tatsächlich durchgeführten Trades.

Schritt 1: Während des Screeningprozesses am Wochenende (auf Basis des Handelstages 15.08.2014) fällt die RWE-Aktie auf. Der Wochenchart hat einen Aufwärtstrend etabliert – ganz einfach zu erkennen an steigenden Hochpunkten und steigenden Tiefpuknten (grüne Pfeile). Dazu benötigen wir keine Trendlinien. Das Auge genügt. Zudem ist zu erkennen, dass die Aktie innerhalb dieses Trendes immer wieder korrigiert, sich also nach unten bewegt hat – und danach wieder anstieg. Der letzte grüne Pfeil markiert den Punkt, an dem wir deshalb nun wieder eine erneute Aufwärtsbewegung vermuten. Die Aktie landet deshalb auf der Long-Liste.

RWE Aktie Wochenchart

RWE-Aktie auf dem Wochenchart
Zu erkennen ist ein Aufwärtstrend und seine Korrekturen
Quelle: Guidants.com
 

Schritt 2: Nun schauen wir uns den Tageschart genauer an. Wir möchten, dass sich die Signallage aus dem Wochenchart irgendwie bestätigt. Zudem wollen wir auf dem Tageschart kein seitliches Bewegen oder bärische Kursmuster finden. Beim Blick auf den Tageschart fällt auf, dass sich bei der RWE-Aktie das Ende der Korrektur abzeichnet, genau wie wir es uns wünschen. Konkret fällt dies hier auf, da der Kurs nach der Abwärtsbewegung einen Tiefpunkt markiert, diesen aber dann nicht mehr unterschreitet. Die zwei grünen Kreise markieren diese Tatsache. Die Aktie scheint also einen Boden zu finden. Jetzt wird es ein heißer Long-Kandidat.

RWE Aktie Tageschart

Die RWE Aktie auf dem Tageschart
Diese feinere Ansicht zeigt die Korrektur deutlicher.
Am Ende der Korrektur sind steigende Tief- und Hochpunkte zu sehen –
ein Indikator für eine Trendwende.
Quelle: Guidants.com
 

Schritt 3: Da die bisherige Arbeit am Wochenende erledigt wurde, warten wir jetzt ab. Der folgende Stundenchart war dann am Montag, 18.08.2014 zu sehen. Die erste volatile Kerzen haben wir ausgelassen, die zweite Kerze ist eine bärische (rote) Kerze und kommt somit ebenfalls nicht für ein Signal in Frage. Die dritte Kerze jedoch ist endlich die gesuchte bullische Kerze in Trendrichtung. Nachdem diese voll ausgebildet war, wurde anschließend die Order platziert. Die Ordertypen sind auf dem Screenshot zu sehen. Die nächste Kerze (die letzte auf dem Screenshot) lief dann in die Stop-Buy Order und löste diese aus.

RWE Aktie Stundenchart

RWE-Aktie auf dem Stundenchart
Zu sehen sind die jeweiligen Orders sowie das potentielle Kursziel
Quelle: Guidants.com
 

Schritt 4: Abwarten und Tee trinken. Der Trade ist platziert, die Ausstiegskriterien (Ziel, Stop-Loss) stehen fest. Der Trade lief dann recht rasch ins Kursziel hinein – genau so, wie es die ursprüngliche Intension dieser Strategie vorsieht.

RWE Stundenchart Target erreicht

Der komplette Long-Trade in der Übersicht
Hier ist der ganze Trade vom Einstieg bis zum Ausstieg zu sehen
Quelle: Guidants.com
 

Natürlich ist dies ein idealtypischer Trade, Verlusttrades sind wie in jedem Tradingsystem nicht zu vermeiden. Durch das attraktive CRV und eine akzeptable Trefferquote werden diese aber stets überkompensiert.

4 Weitere Beispieltrades

Auf Brokerdeal.de/wissen veröffentliche ich regelmäßig neue Tradingkandidaten für die laufende Woche. Dort befinden sich auch zahlreiche weitere Beispieltrades, sowohl Long- als auch Short-Trades. Schritt für Schritt kann man so ein Gefühl für die Strategie entwickeln und wird immer schneller bei der Anwendung.

In diesem Artikel wurde davon ausgegangen, dass die Strategie mit Aktien umgesetzt wird. Natürlich ist die Strategie grundsätzlich auch auf anderen Märkten wie Indizes, Rohstoffen oder Währungen anwendbar. Am besten einfach testen!

Viel Erfolg bei der Anwendung dieser Strategie! Bei Fragen nutzt gerne jederzeit die Kommentarfunktion.

Beste Grüße,
Michael Hinterleitner

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.


 

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